Ein Gespräch mit Radian // London

Nach dem Konzert am Vortag kommt das Trio von Radian im November 2016 für ein Gespräch zum Frühstück in das Café OTO in East London. Die österreichische Band aus Wien gilt als eine der ersten, die Ende der 90er Jahre die Electronica Szene prägten. Am 27.02. spielen sie im Berliner Roten Salon der Volksbühne.

Musikrichtung – habt ihr eine eigene Beschreibung für eure Musik?

Martin (Gitarre): Besonders schwierig finde ich dieses Post-Rock Label, das wir oft bekommen. Das einzige, das uns mit dieser Musik verbindet, ist vielleicht, dass es nur instrumentale Musik ist. Da ist mir Avant-Rock noch lieber. Damit hätte ich kein Problem.

Martin (Drums): Das geht bei uns nicht mit einem Schlagwort. Wir wollen ja eigentlich genau das Labeling vermeiden – auch mit unserer Musik. Wir wollen immer etwas wegnehmen – vielleicht eine Richtung vorgeben und das dann zerstören. Die Musik hatte anfangs für mich eher etwas mit Architektur zu tun. Es ging darum für uns eine Ordnung zu finden, wie man Klänge ordnen kann. Wie man Digital und Analog, Synthies und live gespielten Instrumente live zusammenbringen kann – da ging es um einen gewissen Abstraktionsgrad. Und eigentlich genau die Vermeidung von vorhandenen Stilen. Es ist ein bisschen anders geworden inzwischen, weil wir nun auch bewusst einen Rock-Teil spielen, aber diesen dann auch bewusst wieder zurück nehmen.

Martin (Gitarre): Es ist wie ein Spiel mit den Erwartungshaltungen.

Wie seid ihr zur Musik gekommen?

John (Bass): Ich hab mit 15 angefangen, E-Gitarre und E-Bass zu spielen. Davor hatte ich auch Klavier und Gitarre gespielt. Beim E-Bass bin ich lange geblieben, immer auch in Punk und Metal-Bands. Die Beastie Boys oder Sonic Youth und My Bloody Valentine kamen dann auch. My Bloody Valentine ist immer noch meine Lieblingsband – ich durfte die sogar mal mit meiner anderen Band Snoww Crystal supporten. Dann kamen elektronische Einflüsse wie Portishead und den Rest kann man sich dann denken.

Martin (Drums): Also ich hab als Kind 8 Jahre Cello gespielt und bin zum Schlagzeug gewechselt. Ich habe auch klassisches Schlagzeug studiert und mich mit Komposition beschäftigt. Mit John hatte ich schon vorher in einer Rockband gespielt – wir kennen uns schon sehr lange. Die Einflüsse kommen überall her. Zeitgenössische klassische Musik und Rock von damals.

Martin (Gitarrist)
: Bei mir war alles sehr verschachtelt. Ich hab sehr früh mit Gitarre angefangen, mit sechs Jahren. Mit 11 habe ich dann eine E-Gitarre bekommen und hab verschiedene Rock n Roll Phasen durchlaufen. Studiert habe ich Jazz-Gitarre, schon aus dem pragmatischen Grund, dass es die einzige Form war, E-Gitarre künstlerisch zu studieren. Ende der 90er habe ich dann einen harten Bruch mit der Jazz-Szene vollzogen und mich dem Elektronischen zugewandt. In Wien fing es da mit der Szene an.

Wie sieht euer kreativer Prozess aus?

Das kommt immer darauf an, ob ein Album ansteht. Wir haben ein Studio und arbeiten für ein Album sehr konzentriert daran. Beim Songwriting gibt es immer einen Startpunkt. Das kann ein Sample oder eine rhythmische Phrase sein. Damit wird dann gespielt, auch auf Computer Arrangement Ebene. Es ist nicht so, dass wir ein Stück fertig haben und dann aufnehmen – es ist eher anders herum. Wir nehmen auf, wir finden Deutungsmöglichkeiten dafür und legen den Song fest. Wir nehmen auch oft mikroskopisch ran und nehmen etwas sehr leise auf, z.B. die Snare und lassen diese dann ganz laut erklingen. Wir sind eher damit befasst, wenn die Lieder fertig sind, es zu lösen, wie wir das live spielen. Was lagern wir auf die elektronische Playback Ebene aus, die gibt es ja auch – vieles ist live von uns nicht reproduzierbar. Wir lernen dann sozusagen unsere eigenen Lieder zu spielen.

Der Prozess für unser letztes Album hat 2 Jahre gedauert. Manche Songs aber auch 5 Jahre. Es gibt 2 Stücke, die im Kontext von einer Filmmusik entstanden sind. Das Titelstück des Albums ist aus einer Live-Film Vertonung im Gartenbau – Kino in Wien entstanden. Wir sind im Rahmen der Biennale gefragt worden, ob wir einen 35mm Film von Peter Tscherkassky vertonen möchten. Die erste Version des Stückes für den Film ist in über 4 Jahre Entwicklung dann die Album Version geworden.

Radian-Musik

Es geht darum, die Aufmerksamkeit auf Geräusche zu lenken, die sonst eher wegproduziert werden.

„Wir sind bei Radian eher darauf fokussiert, die Töne weg zu produzieren oder zu minimieren.“ (Martin Gitarrist)

Touren

„10 Tage ist das Maximum. Wir versuchen gar nicht 2 Monate auf Tour zu sein.“

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