Raimund Kummer // Ausstellung Hamburger Bahnhof

Der Hamburger Bahnhof in Berlin blickt mit der neuen Ausstellung Sublunare Einmischung erstmals auf vier bedeutende Arbeiten von Raimund Kummer, welche von ihm für die Räume des Museums weitergeführt wurden. Der deutsche Künstler, der als Professor in Braunschweig seit Jahrzehnten Bildhauerei lehrt, setzt mit der Anordnung der Werke die verschiedenen Schichten seiner Arbeit in Verbindung. So werden in zwei Räumen unterschiedliche fotografischen Arbeiten, einmal aus den 70er Jahren per Diaprojektion und das andere Mal als ungerahmte, liegende Fotografie-Drucke präsentiert, die in direktem Bezug zu seinen Skulpturen stehen. Die Gegenstände auf den Lichtbildern, die Kummer über die Jahre fotografierte, erreichen nämlich immer eine skulpturale Ebene. Die leuchtende Transparenz, die Kummer stets in den Diaprojektionen suchte, führt er in seinen Glasskulpturen weiter. Auch diese beschäftigen sich mit Licht und dem Spiel der Materialität und Durchlässigkeit.

Sein Werk „Mehr Licht“ besticht mit den mehrfachen Deutungsmöglichkeiten und der grellen Erscheinung, die durch den fast klinischen Charakter der Lampen und auch einzigen Lichtquelle hervorgerufen wird. Selbst wenn die Glasaugenprothesen das Augenlicht nie wahrnehmen können, spiegelt es sich doch in den Skulpturen – und die innere Erleuchtung kann nie vollendet sein, fragt der Künstler mit seinem Titel doch weiterhin nach „mehr Licht“.

Die vier Räume mit den Werken Kummers reichen zwar bei weitem nicht aus, um sein Oeuvre zu zeigen, doch ist es ein notwendiger und gelungener Start, den Diskurs um sein Schaffen zu beleben. Auch Kummers Arbeit mit der Künstlergruppe Büro Berlin aus den 80er Jahren und die damit hervorgerufene Kunst im urbanen Raum (die in der Ausstellung nicht erwähnt wird)  bedarf einer Auffrischung und größeren Präsenz im Kunstdiskurs.

Im fünften und letzten Raum der Ausstellung, der mit „unterwegs“ betitelt ist, werden zur Verdeutlichung von Kummers Arbeitsweise und Inspirationen Videos gezeigt, in denen der Künstler zusammen mit dem Kurator der Ausstellung, Eugen Blume, an Orte reist, die bedeutend für Kummers Werk sind. Die Orte, die über Murano in Italien über New York reichen, zeigen deutlich, wie international Kummers Vergangenheit war – er selbst wohnte in New York und Paris und besitzt noch immer ein Atelier in Italien.

Man kann sich aufgrund der zahlreichen Verbindungen und Hintergründe sicher sein, dass seine Werke in Zukunft vermehrt ausgestellt werden. Kummer schreckte nie vor der Komplexität in seinen Arbeiten zurück – es ist die Öffentlichkeit, die immer einen Moment länger braucht, um die vielfältigen Zusammenhänge zu verstehen.

Lorina Speder

Im Rahmen der Begegnung mit Herrn Kummer erschien ein weiterer Artikel in der zitty.

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