Ein Email-Gespräch mit Anne Imhof

Anne Imhof präsentiert auf der Biennale di Venezia mit ihrer neuen performativen Ausstellung „Faust“ eine unvergleichliche Inszenierung im Deutschen Pavillon, für welche sie den Goldenen Löwen gewann. Kurz vor der Biennale in Venedig beschrieb sie ihre Arbeitsweise und die neue Performance.

© Photo Nadine Fraczkowski

Wie und wann entstehen die Ideen für deine Werke – wann bilden sich die konkreten Elemente heraus?

© Photo Galerie Buchholz

A: Meine Arbeiten entstehen durch Dinge um mich herum und ich nehme sie mir. Das trifft insbesondere auf die Komposition meiner Stücke zu. Die sich darin ergebenden Bilder sind oft entlehnt aus der Vorstellung, wie etwas aussehen kann, wenn man es weiterdenkt, nicht wegsieht, sich etwas vervielfältigt, zukünftig ist oder erinnert wird, es keine Grenzen gibt. Ganz konkret verschwimmen dann diese Formen zu etwas, das noch keine Wertung von gut oder weniger gut bekommen hat. Etwas das es eben einfach geschafft hat, da zu sein. Ein konzeptueller Ausgangspunkt für die neue Arbeit war das Porträt – wichtig ist in meinen Stücken immer die Frage nach der Erscheinung. Bei den Performances sind mehrere Personen Teil von diesem Prozess. Das fordert von mir die Ausformulierung meiner Ideen, deren Diskussion und den Mut sich darauf zusammen einzulassen, auch direkt vor dem Betrachter. Ich bin dabei zunächst allein im Atelier und mache Skizzen und Zeichnungen. Die Bewegungen, an denen dann während der Proben gearbeitet wird, haben oft Bezüge zu alltäglichen Zusammenhängen. Für die Stücke gibt es jedes Mal ein Regelwerk, dieses wird im Moment Aufführung aber fast immer gebrochen.

Kannst du kurz etwas über deine frühere musikalische Karriere schreiben?

Während meiner Anfangszeit in Frankfurt habe ich viel Musik gemacht und in mehreren Bands gespielt. Ich war Sängerin und habe später auch alleine Musik aufgenommen. Das ist auch heute in meinen Stücken ein wichtiger Teil. Ich selbst schreibe vor allem Songs. In Venedig wird die Stimme eine besonders zentralere Rolle einnehmen. Mit meiner Galerie (Buchholz) habe ich vor ein paar Monaten meine erste Single veröffentlicht, ein Song mit dem Titel „Brand New Gods“. In diesem Jahr wird ein Album mit den Kompositionen für Angst erscheinen, ebenfalls auf Vinyl. Angst ist angelehnt an das Format einer klassischen Oper und wurde im letzten Jahr in drei Teilen in der Kunsthalle Basel, dem Hamburger Bahnhof Berlin und der Montreal Biennale gezeigt. Auf dem Cover der beiden Schallplatten ist meine Verlobte Eliza Douglas zu sehen. Die Aufnahmen stammen der ersten Balenciaga Show von Demna Gvasalia für die sie gelaufen ist.

Würdest du dich als schüchtern beschreiben (du vermeidest es oft, zu viel mit der Presse zu reden)?

Ja, ich bin extrem schüchtern, aber man gewöhnt sich an die Anderen. Mit der Presse spreche ich jedoch in letzter Zeit immer öfter (lacht) und auch gerne.

Was ist das Hauptthema für Venedig?

In der Performance für den deutschen Pavillon sind Sexualität und unsere Körper wichtig. Die Spannung, die sich ergibt, wenn der eine führt und der andere folgt, die sich im Moment des Betrachtens überträgt. Der Fall des Körpers in den Köpfen derer sie das Bild ansehen, obwohl er nicht oder noch nicht passiert. Tiefe und Spiegelung. Die Idee eines Schreis ohne Stimme. Schönheit und Freiheit. Und das Potential vom Gedanken an die Revolte und deren Aussehen. Pur und transparent.

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