Münster Skulptur Projekte // Rundgang

Alle zehn Jahre wird die Stadt Münster mit den Skulptur Projekten, die 1977 von Kaspar König initiiert wurden, bereichert. Für die fünfte Edition wurden wie zuvor internationale Künstler eingeladen, die Stadt mit öffentlich zugänglichen Werken zu verändern. Viele Kunstwerke, wie der Depression Square von Bruce Nauman, das 2007 realisiert wurde oder das für die 1997er Skulptur Projekte gepflanzte Werk De Civitate von Maria Nordman kann man heute noch besuchen und die Auswirkungen auf Raum, Licht und Wahrnehmung erkunden.

Andreas Bunte – Laboratory Life

Für die nun eröffnete Edition der Ausstellung beziehen die Kuratoren Britta Peters, Dr. Marianne Wagner und Kaspar König auch die Entwicklung der digitalen Kunst der letzten 10 Jahre in die Skulptur Projekte ein. Andreas Buntes Werk Laboratory Life ist für die Besucher nur mittels QR-Code Scan auf dem Smartphone zugänglich – seine Videoarbeiten zeigen alltägliche Dinge, wie eine Plastiktüte im Wind und haben immer etwas mit Bewegung zu tun. Die Kuratoren betonen mit den digitalen Videos die veränderte räumliche Ebene, die sich durch den digitalen Wandel in eine immaterielle Umgebung verlagert hat. Die Plakate mit den QR-Codes sind in der ganzen Stadt verteilt, wie zum Beispiel im Hinterhof eines Verwaltungsgebäudes von Münster.

Nicht nur Buntes Arbeit ist in Münster versteckt – auch Gerard Byrnes Installation mit Video In Our Time muss man als Besucher in den Tiefen der Öffentlichen Bibliothek erst finden. Gelangt man schließlich in den abgetrennten Raum, wird man durch die Soundinstallation mit Video ganz von dem Werk eingenommen. Es ist genauso von der Außenwelt abgetrennt  und zeigt einen Radiomoderator während einer Live-Übertragung. Die Dimension der Zeit und des Ortes werden mit In Our Time quasi verschoben. Der skulpturale Charakter zeigt sich in der Installation durch den präsenten Konzertflügel und die Sounds, die verschiedene, reale Positionen im Raum einnehmen. 

Nairy Baghramian – Beliebte Stellen

Ein Highlight des Rundgangs sind sicherlich die zwei Skulpturen der in Berlin lebenden Künstlerin Nairy Baghramian. Ihre zwei ringartigen, dekonstruierten Metallwerke aus der fortlaufenden Serie Beliebte Stellen sind prominent vor und hinter dem barocken Palais des Erbdrostenhofs platziert. Sie kommunizieren in der Form und Materialität miteinander, aber auch mit dem für barocke Verhältnisse kleinem, aber trotzdem geschwungenen Gebäude. Baghramian legt mit der fortschreitenden Dekonstruktion durch die beiden Ringe und den erkennbaren Lacktropfen die Produktion der Arbeit offen – trotz der harten und robusten Materialien bewahren die zwei Skulpturen einen organischen und fließenden Charakter.

Insgesamt überzeugen die Skulptur Projekte besonders durch den intimen Charakter, den die Stadt Münster bewahrt. Und das, obwohl die Ausstellung über die Jahrzehnte weltbekannt geworden ist. Die Thematik ist klar und orientiert sich an den verschiedenen Dimensionen des Titels Skulptur und Projekte. Das vertraute Verhältnis der Kuratoren zu den Künstlern und der Stadt Münster zeigt sich nicht nur in der Präsentation – bis zum 1. Oktober werden viele Diskussionsplattformen mit den Künstlern für die Besucher angeboten. Diese Nahbarkeit geht in anderen Weltausstellungen durch die Überflutung an Werken und Themen verloren. Zum Glück nicht hier, ein Besuch in Münster lohnt sich bestimmt. Neben den beschriebenen Beiträgen gibt es spannende Werke von Hito SteyerlPeles Empire, Ayse Erkmen oder Pierre Huyghe zu erkunden.

Von Lorina Speder
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s